Unterfahlheim: eine Fischzuchtanlage der SS als Dachauer KZ-Außenlager im Zweiten Weltkrieg
Spurensuche nach zwei Außenlagern des KZ Dachau im Landkreis Neu-Ulm und bei Magirus in Ulm

Sabine Schalm
 

In den Mitteilungen des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg und seiner KZ Gedenkstätte überwiegen die historischen Nachrichten über die so genannten frühen Lager des nationalsozialistischen KZ-Systems. Im Mittelpunkt standen und stehen die Lager in Württemberg, Heuberg, Kuhberg, Gotteszell, die schon im Sommer 1935 im Rahmen neuer Entwicklungen im KZ-System der Nazis aufgelöst worden waren.
Was nur wenigen Spezialisten bekannt ist, soll nun in den "Mitteilungen" so genau wie heute noch möglich dargestellt werden: dass es in der Region Ulm zehn Jahre nach dem "Oberen Kuhberg", gegen Ende des Krieges, Konzentrationslager gab, und zwar zwei Außenlager des KZ Dachau. Das eine im Landkreis Neu-Ulm, in Unterfahlheim; das andere in Ulm, in einem Werk von Klöckner-Humboldt-Deutz, heute besser bekannt als Magirus, wie Ulms größter Industriebetrieb bis 1935 und nach 1945 wieder hieß. In diesem Heft soll von Unterfahlheim und im nächsten von Magirus die Rede sein.
Fast 60 Jahre nach den Geschehnissen gibt es wohl nur noch sehr wenige Zeitzeugen. Die überlieferte Erinnerung und die historischen Quellen sind gering und weit verstreut.
Sabine Schalm, die Autorin der Beiträge, hat sie zusammengetragen, nach allen Regeln der historischen Wissenschaft. Sie ist 31 Jahre alt und Doktorandin bei Professor Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismus-Forschung in Berlin. Ihr Thema "Organisation und Struktur der Außenlager des Konzentrationslagers Dachau" berührt auch die Geschichte der Lager in unserer Region.

Wichtig: Ergänzungen, Richtigstellungen zu diesem Beitrag und Hinweise zu dem kommenden über Magirus sind hochwillkommen. (sl)

 

  Häftlings war für die SS nicht von Bedeutung. Konnte ein Häftling wegen Entkräftung oder Krankheit seine Arbeit nicht mehr verrichten, wurde er ins Stammlager Dachau zurückgeschickt und Ersatz angefordert. Wenn sich der Zustand des kranken Häftlings nicht schnell besserte, wurde er von Dachau in eines der Vernichtungslager Auschwitz oder Majdanek überstellt und dort ermordet. Die Lebens und Arbeitsbedingungen variierten in den Außenlagern grundlegend und müssen im Einzelfall untersucht werden, um Aussagen treffen zu können. So konnte die Zuteilung in ein kleines Außenlagerauch das Überleben einzelner Häftlinge sichern. Das war dann der Fall, wenn in dem Außenlager keine extremen körperlichen Arbeiten zu verrichten waren, wenn die Verpflegung und Unterbringung gesichert war und die SS-Wachmannschaften sich nicht durch besondere Brutalität auszeichneten. Dies scheint im Fall von Unterfahlheim und Ulm/Magirus so gewesen zu sein.

Das Dachauer Außenlager Unterfahlheim, 1943 bis 1945
Das Konzentrationslager Dachau und seine 170 Außenlager

Das Konzentrationslager Dachau ist heute zu einem Synonym des nationalsozialistischen Unrechtsregimes geworden. Dachau war das erste KZ (damals noch KL abgekürzt), das in Süddeutschland errichtet wurde, und das einzige im Deutschen Reich, das die gesamte NS Zeit über, von 1933 bis 1945, bestand. Das KZ Dachau, ganz wesentlich von Heinrich Himmler geprägt, stand Modell für alle weiteren Konzentrationslager im besetzten Europa. Hier erließ der Lagerkommandant Theodor Eicke am 1. Oktober 1933 die Disziplinar- und Strafordnung für das Gefangenenlager, die später auch in allen anderen Konzentrationslagern Anwendung fand.
Im SS-Straf- und Polizeilager in direkter Nachbarschaft zum KZ Dachau wurden die SS-Totenkopfverbände ausgebildet, die als Posten oder Lagerfunktionäre in den Konzentrationslagern eingesetzt wurden.
m Gegensatz zum Ulmer Konzentrationslager waren in Dachau

 

I zwischen 1933 und 1945 nicht vorwiegend politische Gegner der Nationalsozialisten, sondern mehr als 200.000 anders denkende Oppositionelle aus dem Deutschen Reich und den besetzten Gebieten, Geistliche, Juden, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Sinti und Roma, so genannte Berufsverbrecher und Asoziale" inhaftiert[1].
Das Konzentrationslager in Dachau war nicht nur auf den gleichnamigen Ort bei München beschränkt. Es spannte mit Kriegsbeginn ein Netz von mehr als 170 Außenlagern über Süddeutschland. In diesen Außenlagern leisteten Häftlinge aus Dachau Zwangsarbeit in SS eigenen Betrieben sowie privaten Unternehmen, vor allem aber in der Rüstungsindustrie. Im Gegensatz zu "Ostarbeitern" oder "Fremdarbeitern" aus den besetzten Gebieten erhielten die KZ-Häftlinge keinen Lohn und unterstanden wie im Stammlager Dachau der uneingeschränkten Willkürherrschaft der SS.
Ab 1942 begann die planmäßige Ausschöpfung des Arbeitskräftepotenzials der KZ-Häftlinge und deren Arbeitseinsatz in verschiedensten Wirtschaftszweigen. Das Überleben des einzelnen

 

 

Außenlager Unterfahlheim in der "Rühmer'schen Fischereischule"

Das erste Dachauer Außenlager in der Region bestand von Sommer 1943 bis April 1945 in der sog. Rühmer'schen Fischereischule in Unterfahlheim.

Inder Literaturtauchen für dieses Außenlager zwei verschiedene Ortsbezeichnungen auf: Neu-Ulm und Unterfahlheim. Die Fischereischule von Dr. Karl Rühmer lag in der Nähe von Unterfahlheim am Biberhaken, an der heutigen B 10 von Neu-Ulm kommend in Richtung Leipheim. Nachweislich bestand kein weiteres Außenlager in Neu-Ulm, weshalb es sich bei den beiden Lagern NeuUlm und Unterfahlheim wahrscheinlich um ein und das selbe Häftlingskommando handeln dürfte.
Bereits 1939 hatte die SS die "Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH" gegründet und verfolgte damals das Ziel, die Autarkie der deutschen Lebensmittelversorgung voranzutreiben. Die zu diesem Zweck gegründeten Landwirtschafts-, Forst und

 

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